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St.-Anna-Kirche und Bernhardinerkiche — Vilnius' gotisches Meisterwerk

St.-Anna-Kirche und Bernhardinerkiche — Vilnius' gotisches Meisterwerk

Vilnius: City highlights walking tour

Duration: ~2 hours

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Was ist das Besondere an der St.-Anna-Kirche in Vilnius?

Die St.-Anna-Kirche ist eine bemerkenswert unversehrte Flamboyant-Gotik-Kirche aus dem späten 15. bis frühen 16. Jahrhundert, erbaut aus 33 verschiedenen Ziegeltypen in 22 Mustern. Sie ist das visuelle Symbol des östlichen Endes der Altstadt und eines der feinsten gotischen Backsteingebäude in Nordeuropa.

Die südöstliche Ecke der Vilniuser Altstadt, wo das mittelalterliche Straßennetz zur Vilnia öffnet, bietet den architektonisch eindrucksvollsten Blick der Stadt: die Zwillingstürme der St.-Anna-Kirche erheben sich in tiefroten und blassrosa Ziegeln über den Bernhardiner Garten und das Flusstal dahinter. Dies ist das Vilnius-Bild, das auf Postkarten, Reiseführern und Tourismuswebseiten erscheint, aber die physische Realität ist besser als die Fotografien.

Die St.-Anna-Kirche: die Architektur

Die St.-Anna-Kirche (Šv. Onos bažnyčia, Maironio gatvė 8) ist eine Flamboyant-Gotik-Kirche, erbaut etwa 1495–1516. Die Fassade ist aus 33 verschiedenen speziell geformten Ziegeltypen erbaut — keine Standardziegel, sondern maßgefertigte Einheiten, die die fließenden Kurven, das Maßwerk und die Fialen des gotischen Vertikalstils erzeugen sollten. Das Ziegelwerk wurde in 22 verschiedenen Mustern verlegt. Dies ist nach den Maßstäben flämischer oder norddeutscher Backsteingotik nicht ungewöhnlich, aber im litauischen Kontext außergewöhnlich.

Die Fassade ist als eine Reihe aufsteigender vertikaler Elemente strukturiert: drei Türbogen auf Straßenniveau, darüber Nischen, dann eine mittlere Ebene mit Fenstermaßwerk, dann die obere Ebene mit offenem Maßwerk und schließlich die beiden asymmetrischen Türme — einer etwas höher, was der Fassade eine subtile Dynamik verleiht. Die Gesamthöhe beträgt 22 Meter. Die Farbe reicht je nach Lichteinfall von tiefem Terrakotta bis zu blassem Rosa, weshalb die Kirche in Morgen- und Nachmittagsfotografien unterschiedlich aussieht.

Innenraum: deutlich schlichter als das Äußere. Das einschiffige gotische Innere mit bemalten Sterngewölben stammt größtenteils aus dem Umbau des 17. Jahrhunderts. Die Altäre sind barocke Ergänzungen aus verschiedenen Perioden. Das Hauptinteresse im Inneren liegt in der Struktur selbst — dem Verhältnis von Schiff zu Gewölbehöhe, dem Rippengewölbe und der Qualität des Steinwerks — und nicht in der Ausstattung. Fotografie ist erlaubt.

Architektonische Identität und die Napoleon-Legende

Die Napoleon-Anekdote — dass er die Kirche in der Handfläche nach Paris tragen wollte — findet sich in praktisch jedem Vilnius-Reiseführer. Sie ist eine ansprechende Geschichte und nicht unmöglich (Napoleon zog tatsächlich zweimal durch Vilnius, im Juni und Dezember 1812), aber keine dokumentierte Quelle aus dem Feldzug belegt eine solche Aussage. Der Dezemberrückzug 1812 durch Vilnius war katastrophal, mit der zusammenbrechenden Grande Armée — kein Moment, der wahrscheinlich ästhetische Bewunderung hervorrief. Die Legende entstand wahrscheinlich im 19. Jahrhundert als Weg, das kulturelle Prestige von Vilnius unter zaristischer Herrschaft zu etablieren.

Was dokumentiert ist: Französische Soldaten nutzten den Bernhardiner Kirchenkomplex 1812 als Krankenhaus und Stall. Einige Schäden an den Kirchen stammen aus dieser Zeit.

Geschichte und Nutzung

Die Kirche wurde auf dem Gelände einer früheren Holzkapelle geweiht der Heiligen Anna errichtet. Der Auftraggeber war wahrscheinlich Großherzog Alexander Jagiełło, der eine starke persönliche Verehrung für die Heilige Anna hatte. Sie diente der katholischen litauischen und polnischen Gemeinschaft der Stadt.

Während der Zarenzeit (1795–1918) war die Kirche zwischen 1844 und 1921 geschlossen — die russische kaiserliche Politik schränkte den katholischen Gottesdienst als Teil des breiteren Drucks auf die polnisch-litauische Kultur nach den Aufständen von 1830 und 1863 ein. Das Gebäude wurde als russisch-orthodoxe Kirche und dann als Lager genutzt. Der Schaden aus dieser Zeit wurde während der polnischen Zwischenkriegszeit (1920–1939) in Vilnius repariert.

Während der Sowjetzeit wurde die St.-Anna-Kirche erneut umgewidmet — als Galeriefläche — und die Gemeinde aufgelöst. 1989 wurde sie zur katholischen Nutzung zurückgegeben.

Die Bernhardinerkiche

Die Kirche des Heiligen Franziskus und des Heiligen Bernhard (Bernardinų bažnyčia, Maironio gatvė 10) steht unmittelbar neben der St.-Anna-Kirche, getrennt durch einen schmalen Gang. Sie ist deutlich größer: eine Gotikkirche mit langem Schiff, Renaissanceerweiterungen und barocken Turmzugaben, erbaut über das 15.–18. Jahrhundert.

Das Bernhardinerkloster war eines der bedeutendsten Franziskanerhäuser im Großherzogtum. Der Komplex beherbergte im 16. Jahrhundert eine bedeutende Druckerei, und mehrere wichtige intellektuelle Figuren der litauischen Nationalerneuerung sind mit der Klosterbibliothek verbunden.

Innere Highlights:

  • Das spätgotische Steinmaßwerk in den Fenstern des Schiffs, teilweise original
  • Barocke Seitenaltäre, der vollständigste aus einer einzigen Periode stammende Satz, der in Vilnius’ Franziskanerkirchen erhalten geblieben ist
  • Wandmalereien in den Seitenschiffen des Schiffs, einige aus dem 16. Jahrhundert (in den 1970er und 2000er Jahren restauriert)
  • Eine separate Heilig-Kreuz-Kapelle mit geschnitztem Altar aus dem 17. Jahrhundert

Die Kirche ist täglich 10–17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

Der Bernhardiner Garten

Zwischen der Bernhardinerkiche und der Vilnia liegt der Bernhardiner Garten (Bernardinų sodas), ein angelegter öffentlicher Park, täglich von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung geöffnet. Er war durch das 17. und 18. Jahrhundert ein Klostergarten, wurde unter der Zarenverwaltung zu einem öffentlichen Park und wurde 2011–2014 umfangreich restauriert.

Der Garten hat Skulpturen mit Bezug auf die vier Jahreszeiten, Bänke mit Flussblick und einen kleinen Amphitheaterbereich für Freiluftveranstaltungen. Es ist ein angenehmer 15-Minuten-Halt und die beste Außensitzgelegenheit im unmittelbaren Bereich. Im Inneren gibt es keine Essensanbieter, aber Cafés an der Maironio gatvė sind nur wenige Schritte entfernt.

Der Garten verbindet sich visuell mit dem Stadtteil Užupis am gegenüberliegenden Ufer — die Brücke am östlichen Ende des Gartens ist einer der Zugangspunkte zur Užupis-Republik. Ausführliche Informationen im Užupis-Leitfaden.

Das Alte Arsenal und der Anna-Platz (Onos aikštė)

Der kleine Platz vor der St.-Anna-Kirche (technisch Onos aikštė) rahmt die Kirchenfassade mit dem Alten Arsenal-Gebäude auf der linken Seite ein — einem Renaissancegebäude, das heute die Ausstellung des Litauischen Nationalmuseums zur litauischen Staatlichkeit beherbergt.

Der Blick von diesem kleinen Platz — die Fassade der St.-Anna-Kirche, der Bernhardiner Turm dahinter aufragend, der Gediminas-Hügel im Hintergrund sichtbar — ist der meistfotografierte Winkel in Vilnius. Morgenlicht (vor 10 Uhr) gibt warme Beleuchtung auf dem roten Backstein; spätnachmittägliches Licht gibt einen tieferen Rotton. Mittagslicht ist flach.

Eine Altstadtrundfahrt, die diese Ecke der Altstadt umfasst, beinhaltet typischerweise 15–20 Minuten detaillierter architektonischer Erklärung der gotischen Backsteinechniken — ohne Führung schwer zu schätzen, wenn man keinen Architekturhintergrund hat.

Praktische Besuchsinformationen

St.-Anna-Kirche: Maironio gatvė 8. Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr geöffnet. Kostenloser Eintritt. Schließt während der Gottesdienste (Zeiten vorher erfragen: +370 5 261 1586).

Bernhardinerkiche: Maironio gatvė 10. Täglich 10–17 Uhr geöffnet. Kostenloser Eintritt.

Anreise: 10 Minuten zu Fuß östlich vom nördlichen Ende der Pilies gatvė (rechts abbiegen an der Šv. Ono gatvė und den Schildern folgen). Oder 3 Minuten zu Fuß von der Užupis-Brücke.

Kombinierte Besuchsdauer: 40–60 Minuten für beide Kirchen und den Garten.

Cafés in der Nähe: Café de Paris an der Maironio gatvė 13 (von Franzosen geführt, ausgezeichneter Kaffee, 2,80–3,50 €, zuverlässig). Žemaičiai an der Vokiečių gatvė 24 (litauische Hausmannskost, Cepelinai 7 €, Sonntag geschlossen).

Häufig gestellte Fragen zur St.-Anna-Kirche und Bernhardinerkiche

Wie viele Ziegeltypen verwendet die St.-Anna-Kirche wirklich?

33 ist die Standardzahl, abgeleitet aus architektonischen Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. Jeder Typ wurde maßgefertigt geformt, um spezifische gebogene, spitze oder gefaltete Formen zu erzeugen, die das Flamboyant-Gotik-Design erfordert. Die Nachbildung der Ziegelformen für Restaurierungsarbeiten ist eine der wesentlichen technischen Herausforderungen.

Ist die St.-Anna-Kirche ein gotisches oder barockes Gebäude?

Gotisch — speziell Flamboyant-Gotik, die spätmittelalterliche Phase des Stils. Die barocken Elemente (einige Innenausstattungen, die kleine Kapelle auf der Nordseite) sind Ergänzungen und Modifikationen. Die Hauptkirchstruktur und insbesondere die Fassade sind rein gotisch.

Kann man in der St.-Anna-Kirche heiraten?

Ja. Die St.-Anna-Kirche ist eine aktive katholische Pfarrkirche und führt Hochzeiten auf Vereinbarung durch. Kontakt zur Pfarrei über die obige Adresse. Samstage von Mai bis Oktober sind stark ausgebucht; Verfügbarkeit weit im Voraus prüfen.

Was ist die beste Tageszeit, um die St.-Anna-Kirche zu fotografieren?

Das Morgenlicht aus dem Osten trifft die Fassade im Sommer direkt von etwa 8–10 Uhr und gibt die wärmsten rotbacksteinfarbigen Töne. Spätnachmittag bietet Seitenlicht, das das dreidimensionale Maßwerk betont. Die Kirche wird ab etwa 21 Uhr im Sommer beleuchtet.

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